- P R E M I E R E N-
STURMFREI 2006 – Über die Liebe und andere Gewalttätigkeiten
Projekte des 2. Studienjahres Schauspielregie

Die Studenten des 2. Studienjahres Regie der Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“ übernehmen zusammen mit Studierenden des Fachs Bühnenbild der Kunsthochschule Weißensee für 10 ereignisreiche Tage die künstlerische Verantwortung im Bat.
Als Gastgeber werden sie sich mit fünf freien Theaterprojekten vorstellen, die der Auftakt für ein dreitägiges Arbeitscamp- Factory- sind.

Koproduziert von der Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“ Abt. Regie und der Kunsthochschule Berlin Weißensee Fachgebiet Bühnenbild
initiiert und inszeniert von den Studenten des 2. Studj, Regie
mentoriert von Susanne Truckenbrodt
gefördert mit Mitteln des Bezirksamtes Pankow/Fachbereich Kultur

8. September 2006, 19.00Uhr

GESÄUBERT
von Sarah Kane

Regie:Caroline Hofmann Ausstattung: Kerstin Narr
Mit: Tim Ahlers, Sylvina Buchbauer, Martin Hohner, Karina Kecsek, Ronny Marzillier, Cyrill Schausten, Matthieu Svetchine

Für Fotos in Druckauflösung bitte klicken.

Sarah Kanes „Gesäubert“ handelt von sieben Menschen und ihrer Abhängigkeit voneinander: Eine Schwester sucht ihren toten Bruder an den Grenzen ihrer eigenen.

Existenz, ein Liebespaar leistet den Schwur für ihre Liebe zu sterben, ein Mann geht über Leichen, vielleicht um letztlich Liebe finden zu können. Auf der radikalen Suche nach Identität und Nähe, werden bereits die Sehnsüchte der Figuren zu Waffen.

Auf der Suche nach Identität und Nähe werden Sehnsüchte zu Obsession. Alles geschieht in Gesellschaft, in der jeder allein ist. Nah an den Figuren, deren Aussichten und realen Bezügen orientiert, wird die Inszenierung zum Labor. Untersucht werden die Anfänge von Gewalt, die Wahrnehmung für den Blickwinkel des Anderen. Wie viel Brutalität liegt in vermeintlich vertrauter Umgebung? Wo öffnet sich die Tür in den Abgrund? Wann wird es dunkel? Wie lange bemerke ich nichts?


9. September 2006, 19.00Uhr

HUND - Petit hommage a Giacometti
von Dea Loher
Regie: Luzius Heydrich, Ausstattung: Johanna Marie Wimmer
Mit: Ute Lubosch,Daniel Kame

Dea Lohers „Hund – Petit hommage à Giacometti“ erzählt von der Begegnung von Alter Hure und Hinkender Dieb. Er will ihren einzigen Schatz rauben – drei Figuren, ihres Liebhabers und wahrscheinlich einzigen Kunden Alberto. Das Stück zeigt, wie diese zwei Menschen, trotz ihres scheinbar unüberwindlichen Konflikts, für einen kurzen Moment das Glück finden.
Ein kurzes, vergängliches Glück...
„Hund“ ist ein Teil der Reihe „Magazin des Glücks“, Eine Sammlung von Kurzstücken, Fragmenten, Texten die nicht immer eindeutig dem Theater zugewiesen werden können.
„Hund“ trägt den Untertitel „Petit hommage à Giacometti“ – den 1964 verstorbenen Künstler, in dessen Skultpur Hund er sich selbst reflektierte, als immer suchende und streunende Existenz.
Giacometti war ein Künstler, der sein Leben lang darum gerungen hat ein Bild, oder eine Skulptur zu schaffen, bei dessen Anblick der Betrachter das Gleiche wahrnehmen konnte, wie Giacometti bei der Betrachtung der Menschen.
Mit eben diesem Problem der Abbildung von subjektiver Realität beschäftigt sich auch die Inszenierung. Verschiedene Abbildungsebenen werden dem Zuschauer angeboten, seine Realität selbst zu entwerfen.
Wie kann ich Realität begreifen, wenn es immer mehrere Realitäten in einem Raum gibt? Wie kann ich mich als Mensch gegen diesen Raum behaupten, der mich von allen Seiten aufzufressen droht?

Vorher/Nachher von Roland Schimmelpfennig
Regie:Angelika Zacek, Ausstattung: Michaela Rüter, Max Flierl

Mit: Franziska Hayner, Nadine De Zanet, Gerlind Eschenhagen, Alexander Flache, Florian Tabor, Urs Schleif

Die Frau um die Dreißig betrügt ihren Freund, eine Glühbirne inspiriert zur Raumfahrt, eine sich ständig verändernde Frau durchlebt 25 Personen täglich, ein Mann verschwindet im Bild, ein anderer wartet...
Schimmelpfennigs „Vorher/Nachher“ ist ein Raumflug durch die Zimmer eines Hotels, der nicht halt macht vor dem scheinbar Skurrilen und Absurden.
Angelika Zacek nimmt uns in ihrer Inszenierung mit auf diese Reise, fliegt durch die Szenen in Richtung Schwerelosigkeit und kehrt zu besonderen Orten zurück.
Und immer wieder sehen wir Geschichten, die den Alltag so erzählen wie wir ihn kennen und doch noch nie gesehen haben.


9. September 2006, 21.00Uhr

VORHER/NACHHER
von Roland Schimmelpfennig

Regie:Angelika Zacek, Ausstattung: Michaela Rüter, Max Flierl
Mit: Franziska Hayner, Nadine De Zanet, Gerlind Eschenhagen, Alexander Flache, Florian Tabor, Urs Schleif

Die Frau um die Dreißig betrügt ihren Freund, eine Glühbirne inspiriert zur Raumfahrt, eine sich ständig verändernde Frau durchlebt 25 Personen täglich, ein Mann verschwindet im Bild, ein anderer wartet...
Schimmelpfennigs „Vorher/Nachher“ ist ein Raumflug durch die Zimmer eines Hotels, der nicht halt macht vor dem scheinbar Skurrilen und Absurden.
Angelika Zacek nimmt uns in ihrer Inszenierung mit auf diese Reise, fliegt durch die Szenen in Richtung Schwerelosigkeit und kehrt zu besonderen Orten zurück.
Und immer wieder sehen wir Geschichten, die den Alltag so erzählen wie wir ihn kennen und doch noch nie gesehen haben.


10. September 2006, 19.00Uhr

ÜBER DEN SCHMERZ
nach Motiven von Hanns Johsts << Schlageter>>

Regie:Johannes Schmit, Ausstattung: Daniela Petrozzi
Mit: Marco Matthes, Maximilian Merker, Constanze Priester, Wolfgang Rommerskirchen, Christian Schaefer, Sebastian Sommerfeld

Das im Deutschland des 21. Jahrhunderts erfolgreichste Theater ist noch immer der Repräsentationsschuppen, den das Bürgertum sich im 18. Jahrhundert zur Bespiegelung seiner Herrschaft entwarf. Unabhängig von „Inhalten“, die in seinen Formen vermittelt werden sollen, liefert dieses Theater darum nichts anderes als die permanente Selbstbegründung der Gesellschaft, die es sich ersann; einer Gesellschaft, deren Widersprüche sich bis heute – und über die großen Explosionen des 20. Jahrhunderts hinaus – als immer raumgreifendere Katastrophengeschichte fortmahlen. Auch Hanns Johsts Nazimelodram „Schlageter“ – „in liebender Verehrung und unwandelbarer Treue“ Adolf Hitler gewidmet – ist, nicht anders als Filme wie „Schindlers Liste“ oder „Der Untergang“, ohne diese Theatertradition nicht denkbar. Die Sehnsucht unserer Bearbeitung zielt auf ein Theater/eine Gesellschaft, in denen ein Stück wie „Schlageter“ nicht mehr spielbar ist. Nie wieder „Schlageter“! Nie wieder „Schindlers Liste“!

 


12. September 2006, 19.00Uhr

DIE FACTORY
Performative Zusammenkunft von Studenten verschiedener Kunsthochschulen deutschlandweit
Präsentationen täglich ab 19 Uhr

Die Factory ist eine Einladung an alle Studierenden szenischer Künste, sprich Schauspieler, Tänzer, Musiker, Performer, Sänger, Autoren aus dem deutschsprachigen Raum die sich während drei Tagen im direkten, heftigen, schöpferischen Austausch begegnen.
Unsere Gäste kommen unter anderem vom Max Reinhard Seminar in Wien, Bayrischen Theaterakademie, Angewandte Kulturwissenschaften Uni Giessen, Szenische Künste Uni Hildesheim, Hochschule für Film und Fernsehen Potsdam, Hochschule für Musik und Theater Felix Mendelssohn-Bartholdy Leipzig usw.
Die Factory ist ein System – ein System der Überforderung, das zum kreativen Chaos führen soll:
An drei aufeinander folgenden Tagen werden an jedem Morgen aus dem Pool der Anwesenden, Teams ausgelost. Diese wiederum werden ebenfalls durch Losverfahren mit einem konkreten Text oder Thema sowie begrenzt Bühnenmaterial, Requisiten, Rohmaterial konfrontiert. Daraus ergeben sich per Zufall konkrete Konstellationen z. B. 10 Tänzer, ein vietnamesischer Zigarettenverkäufer, ein Feuerlöscher und ein Text von Sarah Kane.
Dieses Modell arbeitet ganz bewusst mit Prinzipien des Schicksals, der Konfrontation mit dem Nichtgedachten- Nichterwarteten -Nichtkalkulierbaren.
Am Anfang steht nicht der Gedanke/die Idee, sondern der Zufall wirft Konstellationen, die es zu bewältigen gilt, die nach sinnhafter Auflösung schreien.
Wir möchten uns diesem Experiment stellen und Gastgeber sein für Menschen, die nach neuen Impulsen im Kunstprozess suchen oder einfach nur Lust auf ein Abenteuer haben.

Jeden Tag finden unerwartet im Wohngebiet theatrale, performative Aktionen statt in der Tradition des „Unsichtbaren Theaters“- als Irritation des Alltags.
Am Abend werden die Ergebnisse der Factory auf der Bühne des Bats präsentiert.

weitere Informationen: http://www.kommt-zusammen.de/